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Urban_Sechs möchte DichWiedersehen!

Augenzwinkern am Platz der Luftbrücke in Berlin, ca. Mitte–Ende der 80er Jahre. U6 Richtung Alt-Tegel

Ort des Treffens
U6 Richtung Alt-Tegel, U-Bahn Station Platz der Luftbrücke , Berlin

Anzahl Ansichten
443

Es war irgendwann, Mitte bis Ende der 80'er Jahre, in Berlin in der warmen Jahreszeit. Wir beide waren damals um die 20.

Deine Ausstrahlung, Haare, Gesicht, vor allem aber die Augen ... genau wie die junge Frau in diesem Musikvideo:
https://www.youtube.com/watch?v=C0qaCBq2yLM
… auch wenn Du körperlich nicht ganz so groß gewachsen warst ( ich denke, Du warst ca. 1,70m)
Nur der junge Mann gleicht mir nicht, denn ich habe dunkle Haare, braune Augen, ...

Ich stieg in Alt-Mariendorf in die U6 Richtung Alt-Tegel. Du saßt bereits in dem U-Bahn Wagon.
Damals hatten die Züge noch lange, gegenüberliegende Sitzbänke.
Ich fand einen Platz auf der Sitzbank in Fahrtrichtung rechts.
Ich blickte zuerst nach rechts und dort blieb mein Blick auch sofort hängen. Denn dort saßt Du. Von mir aus gesehen einige Meter nach rechts versetzt, auf der gegenüberliegenden Bank, mit dem Rücken zum Bahnsteig.
Ich sah Dich und konnte nicht mehr weg schauen. Du warst in etwas vertieft, hast glaube ich gelesen.
Dann blicktest Du für einen kurzen Moment auf, geradeaus zur Bank Dir gegenüber. Vielleicht hattest Du gespürt, dass Dich jemand ansieht. In jedem Fall sah ich nun zum ersten Mal Deine Augen.
Das hat etwas in meinem ganzem Körper ausgelöst.
Am liebsten hätte ich Dich weiter angesehen, aber es sollte auch nicht wie ein Anstarren wirken. Außerdem hättest Du jeden Moment in meine Richtung blicken können und ich hatte keine Ahnung, was ich dann hätte tun sollen. Ich war eher schüchtern.
In diesem Moment siegte mein Verstand über mein Herz. Ein Ausgang, den ich danach immer wieder bereut habe.

Ich schaute also nach unten, tat so, als würde ich in meinen Unterlagen lesen. Doch daran war überhaupt nicht zu denken. Der Kampf zwischen Herz und Verstand tobte in mir.
Noch bevor ich weiter denken und überlegen konnte, was ich tun sollte, bemerkte ich aus dem Augenwinkel, dass Du aufgestanden warst. "Sie steigt aus!" schoss es mir durch den Kopf. Schlagartig wurde mir die Vergänglichkeit der Situation bewusst. Wie hatte ich nur meinem Verstand folgen und meiner Schüchternheit nachgeben können, statt den Blickkontakt zu suchen?! Wie sonst könnte ich herausfinden, ob Du dieselbe Anziehungskraft empfunden hast, wie ich? Wie sonst könntest Du das umgekehrt herausfinden?
Jetzt blieb nicht mehr viel Zeit.
Du stiegst in Fahrtrichtung aus. Noch immer waren zu viele Menschen zwischen uns und mein Verstand war noch dominant. Statt Dir hinterher zu gehen hoffte ich darauf, Dich aus dem anfahrenden Zug noch einmal zu sehen und Du dann zu mir hineinschauen würdest.
Der Zug fuhr wieder an - ganz langsam. Das war schon mal gut. Und dann, tatsächlich, da liefst Du …

Dann kam der Moment, der meine Finger heute noch zittern lässt, während ich daran denke und darüber schreibe: Du hast tatsächlich zu mir in die U-Bahn geschaut und ich zu Dir. Unsere Blicke trafen sich. Mit Lichtgeschwindigkeit direkt in mein Herz. Wie ein Blick in eine verwandte Seele. In mir brach ein Sturm von Glückshormonen los.

Natürlich war es jetzt an mir, ein Zeichen zu geben. Ich lächelte Dich an und merkte, wie mein rechtes Auge Dir zuzwinkerte. Ein Verhalten, dass ich nie zuvor einer fremden Frau gegenüber gezeigt hatte - und auch nie wieder danach.

Es geschah einfach. Ich war verwundert über mich selbst. Mein Herz hatte die Kontrolle übernommen - sogar über mein Gehirn. Ich fühlte mich in diesem Moment wie ferngesteuert.

Bis das Allergrößte kam, Deine Antwort auf meine Geste: Dein Lächeln. Ich fühlte unbeschreiblich viel Glück in diesem Moment ... mein Körper war voll davon ... eine Überdosis. Ein Gefühl, das mir genauso im Gedächtnis blieb, wie die Szenen unserer Begegnung.
Dann wurde es dunkel und die Lichter im U-Bahn Wagon gingen an. Ich merkte mir die Station: "Platz der Luftbrücke", versank danach aber sofort wieder in jenem Augenblick, in dem wir uns in die Augen schauten.

Hatte ich da nicht vor Deinem Lächeln für einen Bruchteil einer Sekunde totale Überraschung in Deinem Gesicht gesehen? Schließlich wusstest Du ja auch nicht, ob ich diese Anziehungskraft ebenfalls empfunden hatte und warst Dir vermutlich genauso unsicher, wie ich mir.
War Dein Lächeln also auch Ausdruck der Erleichterung, so wie es umgekehrt bei mir war?
Mir schossen tausend Gedanken durch den Kopf...
Einige Stationen weiter bemerkte ich, dass ich immer noch dieses Lächeln im Gesicht hatte, von dem Moment, in dem Du mein Lächeln erwidert hattest. Irgendwie kam ich erst langsam wieder zu Bewusstsein. Mein Gehirn begann wieder zu arbeiten.

Auf jeden Fall war Dein Lächeln doch ein "Ja", egal, wie Du die Zeit zuvor im Wagon erlebt und empfunden hattest.
Ich stand auf, ging zur Tür und konnte es kaum erwarten, dass der Zug den nächsten Bahnhof erreicht.
Als der Zug in den Bahnhof einfährt, steht der Zug in Gegenrichtung schon einsteigebereit im Bahnhof. Seine Türen schlossen sich, bevor die von meinem Wagon sich öffneten.
Jede Sekunde war ohnehin schon eine Qual, jetzt auch noch auf den nächsten Zug warten...
Würdest Du am Platz der Luftbrücke auch auf mich warten? Hatten wir beide dieselbe Idee?

Mein Verstand arbeitete zwar wieder, aber mein Herz hatte noch immer die totale Kontrolle. Der Kopf diente ihm nur. Mein Wunsch nach einem Wiedersehen und den damit verbundenen Glücksgefühlen war übermächtig. Es war vollkommen nebensächlich geworden, dass ich noch immer nicht wusste, was ich tun sollte, wenn wir uns gegenüberstehen würden.
Jetzt ging es einzig und alleine darum, so schnell wie möglich wieder zu Dir zu kommen.
Endlich war der Zug am Platz der Luftbrücke angekommen. Meine Augen suchten nach einer Person, die sich nicht bewegte. Jemand, der nach einem anderen Menschen sucht - genau wie ich.

Der Bahnsteig leerte sich, doch es blieb niemand stehen. Ich lief den Bahnhof entlang, wechselte auf die andere Seite, schaute in alle Richtungen.
Du warst nicht mehr da.
Ich lief zu dem Ausgang, den Du benutzt hattest. Vielleicht standest Du ja noch oben irgendwo … nichts … Ich hatte Dich verloren.
Wieder gingen mir unzählige Fragen durch den Kopf …

Doch was konnte ich jetzt noch tun?
Diese Frage beschäftigte mich noch sehr viele Tage und Wochen. Oft lag ich abends vor dem Einschlafen noch wach im Bett und grübelte.
Ich fuhr die U-Bahnstrecke danach noch mehrmals, achtete auf Wochentag und Uhrzeit, stellte mich an jenen U-Bahn Ausgang, um auszuschließen, dass wir uns in unterschiedlichen Wagons verpassen, ... nichts.
Immer wieder fragte ich mich, wie es Dir wohl ginge, was Du wohl unternommen hattest, ob ich irgendeine Möglichkeit übersehen hatte?
Ich begann zu zweifeln, ob diese bisher nicht erlebte Anziehungskraft, dieses Gefühl der Verbundenheit ohne sich überhaupt zu kennen, ob all das, was ich in den Momenten im Zug mit Dir an Gefühlen durchlebt hatte, wirklich beiderseitig war.
Ich haderte lange mit meinem eigenen Verhalten und meiner Schüchternheit.

Irgendwann, musste ich akzeptieren, dass ich Dich wohl nicht wiedersehen würde. Das zu formulieren tut noch immer weh.

Ganz offensichtlich habe ich es bisher nicht überwunden. Denn jetzt, wo ich dies alles aufschreibe, bin ich selbst erstaunt über all die Details, an die ich mich nach so langer Zeit noch erinnere. Alles ist wieder da - Ich hatte es nur verdrängt. Man kann Namen, Zeiten, Orte, usw. vergessen, aber nicht Gefühle.
Zu viele Fragen von damals sind offen. Wenn auch für Dich nun, nach diesen Zeilen, weniger, als für mich.
Eine der wesentlichen Fragen, die Du Dir sicher selbst auch stellen wirst, ist die, was aus einem Wiederfinden überhaupt entstehen könnte. Gerade mit Blick auf unser aktuelles Leben, mehr als 30 Jahre nach jenen wundervollen Augenblicken.
Augenblicke und Gefühle, die ich in dieser Intensität danach nie wieder erlebt habe.
Ich kann Dir keine sichere Antwort auf diese Frage geben. Genauso wenig, wie ich sie für mich gefunden habe.
Es ist dieselbe Frage, wie in allen solchen Momenten: Kopf oder Herz?
Vielleicht genügen uns die Antworten auf die offenen Fragen unserer ersten Begegnung.
Vielleicht tauschen wir unsere Kontakte aus, weil niemand weiß, was das Leben noch für uns bereithält. Vielleicht werden wir Freunde.
Ich habe keine Ahnung.
Ich habe aber für mich beschlossen, die Möglichkeiten, die es heute gibt, um sich wiederzufinden, auch zu nutzen. Den Kopf zu nutzen, um das Herz zu befriedigen - nicht um es im Zaum zu halten.
Drei Dinge weiß ich nach über 30 Jahren sehr sicher:
Ohne dieses Erlebnis würde ich die Existenz von "Liebe auf den ersten Blick" heute verneinen.

Ob es sich über 30 Jahre später zwischen denselben Menschen noch einmal genauso anfühlen würde? Niemand weiß es. Menschen verändern sich im Laufe ihres Lebens.
Was ich auch ganz genau weiß: die Zeit heilt nicht alle Wunden.
Es wird immer wieder Momente in meinem Leben geben, in denen ich mich an jene Augenblicke am Platz der Luftbrücke erinnere, ich Dein Lächeln vor mir sehe und mir all die unbeantworteten Fragen wieder in den Sinn kommen.
Ich weiß schließlich auch, dass ich diese Fragen nicht bis an mein Lebensende unbeantwortet in meinem Herzen tragen möchte.
Deshalb hoffe ich, dass Du Dich dafür entscheidest, mir bei der Beantwortung zu helfen. Bitte lass‘ mich wissen, ob es Dich noch gibt.

Für alle anderen, die diese Geschichte bis zum Ende lesen:
Die Schönheit einer Frau liegt nicht in ihrem Äußeren; sie ist in ihren Augen zu sehen, denn sie sind die Tür zu ihrem Herzen und ihrer Seele. Wenn Du darin siehst, was Du suchst, dann hast Du einen Schatz gefunden. Meist bleibt aber nicht viel Zeit.

Ein so einmalig schöner Moment kommt nicht wieder. Er dauert auch nur Sekunden. Da bleibt keine Zeit zum Nachdenken oder Planen. Versuche nicht, die Situation oder Dich selbst zu kontrollieren, sondern folge Deinem Herzen. Es ist Deinem Verstand in diesen Situationen bei weitem überlegen. Erst recht in der Liebe.

Veröffentlicht am 09.03.2021, 03:46

Über Urban_Sechs...

Aus Berlin

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